Mein Wohlbefinden liegt am Boden. Seit dem Wochenende bin ich mir inzwischen sicher, dass ich keine Kraft mehr habe.
Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, alles zu beschreiben, was zu dieser Situation beiträgt oder beigetragen hat. Seit mehreren Wochen, wenn nicht sogar Monaten, schon merke ich gewisse Anzeichen, dass ich eine Pause brauche. Ich glaube, ich habe davon schon mal geschrieben. Das deutlichste Zeichen – rückblickend – dass ich langsam mal die Bremse treten sollte, war, dass ich kaum noch einen Abend hatte, an dem ich nicht ein leichtes Zittern gespürt habe. Ein kaum merkbares Zittern, dass ich auch nur wahrgenommen habe, wenn ich mich mal hingesetzt oder -gelegt habe. Und natürlich jeden Abend vor dem Schlafengehen. Anfangs kam es nur dann und wann mal, zuletzt hatte ich es wirklich jeden Abend. Ich dachte mir schon, dass das nicht gut sein kann, habe mich aber nicht weiter drum gekümmert.
Nach und nach fing ich an, meinen Alltag zunehmend nicht mehr auf die Reihe zu kriegen. Meine Frau (sie ist übergewichtig) kann schon seit einer gewissen Weile nicht mehr so im Haushalt arbeiten wie sie gern würde, und ich habe halt versucht, das zu kompensieren, damit unser Haushalt nicht komplett den Bach runtergeht. Ich habe Wäsche gewaschen, Geschirr gespült, aufgeräumt, geputzt, eingekauft, gekocht, mir Gedanken über Speiseplan und Ähnliches gemacht und parallel dazu noch versucht, mir ein wenig Zeit abzuzwacken, irgendwo ein kleines Päuschen dazwischenzuquetschen. Dann waren da aber noch andere Aufgaben, denen ich mich dann während dieser Pause stellte. Es ist immer noch ein Buch für die Berufsschule zu lesen, über das ich noch ein Referat vorbereiten und halten muss. Gemeinsam mit zwei anderen Mitschülern ist auch noch ein Politikreferat zu halten. Dann kommen immer mal E-Mails ‘rein, die ich bearbeiten und/oder beantworten muss/will. Andere wichtige Besorgungen, wie z. B. Kleidung oder Haushaltsgegenstände, müssen gemacht werden.
Oft aber habe ich die Pause gleich ganz sein lassen und stattdessen versucht, den Haushalt unter Kontrolle zu bekommen. Der aber ist mir inzwischen so gut wie entglitten. Ich kriege zwar das Notwendigste hin (auch wenn das heißt, dass ich früher von der Arbeit nach Hause komme, um Dinge geregelt zu bekommen), zum Beispiel dass sich das Geschirr wenigstens nicht mehrere Wochen in der Küche stapelt, aber seit letztem Wochenende bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht einmal dafür mehr Kraft habe.
Ich habe die Warnzeichen, die mir mein Körper zeigte, zu lange ignoriert. Das ist die Quittung.
Aber nicht nur körperlich macht mir die Erschöpfung zu Schaffen. Seelisch geht es mir dadurch auch nicht gut. Die Depression kommt in häufigeren Schüben und wird wieder stärker. Ich merke, wie ich mir oft Vorwürfe mache, meine eigene mangelnde Leistungsfähigkeit kritisiere, aber auch schneller “ins Bockshorn gejagt” werde. Ich bin um ein Vielfaches empfindsamer, missinterpretiere verschiedene Regungen meines Umfelds schnell. Und ich werde zunehmend ängstlicher. Ich habe Angst, all die Dinge, die ich noch hinbekommen “muss”, nicht zu schaffen. Ich merke, wie ich in letzter Zeit häufig wie aus heiterem Himmel verkrampfe, zum Beispiel an meinem Schreibtisch im Büro. Auch bekomme ich Angstzustände. Ich bin in letzter Zeit kaum noch emotional stabil und komme leicht aus dem Gleichgewicht.
Dadurch streiten sich meine Frau und ich inzwischen auch wieder häufiger. Das nimmt sie natürlich auch deutlich mit. Unsere Streits sind noch dazu keine Streits im herkömmlichen Sinn, wo wir laut werden, uns Dinge an den Kopf werfen und irgendwann versöhnen. Unsere Streits sind die Folge meiner Überforderung. Ich bekomme Angst, höre auf zu reden und werde zittrig-nervös, das wieder bekommt meiner Frau nicht gut, sie fängt an zu blocken, ich bekomme noch mehr Angst… Eine Abwärtsspirale kommt in Gang. Ich versuche, mich zusammenzureißen und auf sie zuzugehen, sie in den Arm zu nehmen. Sie blockt, ich fange an, mir selbst Vorwürfe zu machen. Ab hier kann es sich stundenlang hinziehen, häufig fange ich an, mich selbst (sogar mit der Faust ins Gesicht) zu schlagen oder meinen Kopf gegen die Wand zu hauen. Ich werde vollkommen unzurechnungsfähig, kann mich nicht mehr kontrollieren, so sehr ich es auch versuche.
Und meiner Frau macht all das Angst. Riesige Angst.
Jedenfalls ist so etwas in der letzten Zeit wieder ein paar Mal vorgekommen, und noch viel öfter hatte ich die Befürchtung, dass so etwas passiert, weil ich mich wieder einmal nicht gut fühle (zuletzt gestern Abend).
Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mein Leben nicht mehr geregelt kriege. Ich müsste anhalten, Verpflichtungen abgeben und mich mehr auf mich konzentrieren. Nur weiß ich nicht, wo ich Verpflichtungen abgeben soll, wem ich sie abgeben soll. Ich will auch niemanden überfordern. Aber ich komme mit dieser Last alleine nicht mehr zurecht.
Aber niemand kann mir helfen…