Ich lebe noch

Seit August habe ich hier nichts mehr geschrieben. Für mich ist diese Zeit viel passiert. Vielleicht werde ich demnächst etwas darüber schreiben, das muss sich zeigen, aber ich denke schon. Heute jedenfalls soll es nur diese kurze Meldung von mir geben.

Ich hoffe, ihr, die ihr hier lest, habt euch keine Sorgen gemacht Zwinkerndes Smiley Lasst es mich einfach wissen – als Kommentar oder als E-Mail unter shubidout@web.de.

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Burned out

Jetzt ist doch eine ziemliche Weile vergangen seit meinem letzten Eintrag. Mein Medikament hat mittlerweile seine Wirkung schon etwas entfaltet und psychisch geht es mir, zumindest mit Blick auf meine Stimmungsschwankungen, relativ gut.

Leider ist aber nicht alles Gold was glänzt. Konkret heißt das, dass ich die letzten Tage krankgeschrieben war. Grund: Erschöpfung. Ich habe, seit ich Citalopram nehme, eine bessere Wahrnehmung entwickelt, was meinen Körper angeht – “leider” heißt das auch, dass ich jetzt die Erschöpfungszeichen meines Körpers viel deutlicher wahrnehme als früher.  Mir zeigt das Einiges über meine Lebensumstände: ich werde in nächster Zeit wohl einige meiner Aktivitäten neu bewerten und entsprechend Zeit verplanen.

Weiter muss ich einfach mehr auf meine eigenen Bedürfnisse und die meines Körpers achten. Das Schöne ist, dass meine Frau mich da sehr unterstützt. Sie ermahnt mich regelmäßig, dass ich mich nicht stressen, mir Pausen gönnen und auch mal was liegen lassen soll. Damit hat sie einfach Recht, aber bisher habe ich sowas immer wieder weggeschoben und andere Dinge als wichtiger empfunden.

Gleichzeitig ist mir wieder etwas ins Blickfeld gerückt, was ich fast schon vergessen hatte und was schon mal Thema in meiner Therapie war: ein Klinikaufenthalt. Ich weiß nicht, ob ich davon schon geschrieben hatte. Jedenfalls habe ich heute darüber nachgedacht, ob das nicht etwas wäre, was mich wieder etwas gesunden lassen könnte – gerade jetzt, wo ich auf den Burnout zusteuere. Ich denke, das wird das nächste Thema in meiner Therapie sein…

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Kurzes Status-Update

Im Moment geht es mir gut, heute ist ein guter Tag. Meine Stimmung ist hell und sonnig, genau wie das Wetter ;-)

Heute hatte ich endlich meinen Termin bei der Neurologin. Die hat mir Fragen zu meiner Erkrankung gestellt und mir im Anschluss eine kleine Packung Citalopram mitgegeben. Davon soll ich jetzt erstmal 10 mg pro Tag morgens nehmen. In ca. zwei Wochen habe ich wieder einen Termin, dann wird erste Rückschau gehalten.

Viel mehr bleibt mir im Moment nicht zu schreiben, bestimmt wird es in nächster Zeit ein weiteres Update geben.

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Fehlende Überwindung

Im Moment habe ich Urlaub. Das hilft mir, mich körperlich zu erholen, aber nicht gegen Stimmungstiefs.

Und in genau so einem stecke ich gerade. Ich sitze schon seit Stunden (insgesamt schon mehr als sieben) einfach nur herum und tue nichts. Ich klicke mich ständig durch irgendwelche Webseiten, bleibe nie lange bei einer Sache, schiebe alles immer an die Seite, egal was es ist.

Kurz: ich prokrastiniere.

Nein, eigentlich nicht im engeren Sinne. Aber irgendwie doch. Ich habe dringende Dinge zu tun, aber ich kann mich nicht dazu überwinden, sie zu tun. Es muss eine Präsentation vorbereitet werden, ich muss noch eine Andacht schreiben und die Wohnung muss noch etwas aufgeräumt werden (meine Frau und ich bekommen am Donnerstag, genauer Mittwoch Nacht, Besuch). Aber davon tue ich nichts.

Ich kann mich einfach nicht überwinden. Ich habe schon mehrere Ansätze gestartet, aber bringen tut es nichts.

Ich habe halt gerade einfach keinen Antrieb.

Ich habe in den letzten ca. vier Wochen meine Stimmung etwas beobachtet, sie mir auch (Excel sei dank – ich spiele halt auch gern ^^) einmal visuell darstellen lassen. Das Ergebnis war, das meine Stimmung sehr wechselhaft ist – ich habe es mir schon gedacht, aber immer weggeschoben.

Was das miteinander zu tun hat? Beides sind Gründe für den Entschluss, den ich heute gefasst habe: ich werde alles in die Wege leiten und voraussichtlich anfangen, Antidepressiva zu nehmen.

Mir ist bewusst, dass das ‘ne langfristige Sache werden wird. Aber so wie bisher geht es nicht weiter. Immer wieder diese Stimmungsumschwünge, manchmal sogar vom einen Moment auf den anderen, dazu tendenziell schlechte Laune, immer mal wieder Angst- und Überforderungsgefühle und obendrein noch emotionale Unausgeglichenheit. Ich habe in den letzten Tagen zwar auch Momente gehabt, an denen ich mich gut fühlte, aber überwogen hat die starke Schwankung.

Ich erhoffe mir, dass ich zumindest durch die AD emotional stabiler werde. Nicht mehr diese Höhen und Tiefen, endlich mal einen einheitlichen Level. Natürlich hoffe ich auch auf stimmungsaufhellende Wirkung, aber darum geht es mir nicht allein (sonst könnte ich auch anfangen, Drogen zu nehmen).

Für mich heißt es erst einmal morgen, das Ganze mit meiner Therapeutin zu besprechen und dann möglichst schnell einen Termin bei einem Neurologen zu machen. Am Besten mit Überweisung.

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Ich ziehe die Bremse an

Am Wochenende ist mir einiges klar geworden. Besonders am Sonntag. Davon habe ich ja schon im letzten Eintrag was angedeutet.

Konkret heißt das, dass ich den Entschluss gefasst habe, mich ab jetzt erst einmal zu schonen. Diese Woche habe ich vor, alles komplett runter zu schrauben, was mir Kraft kostet. Die letzten zwei Tage habe ich damit schon angefangen, und Stück für Stück fängt es an, zu wirken.

Weiter habe ich die nächste Woche erst einmal Urlaub. Fünf Tage, während denen ich mich so gut wie komplett um mich selbst kümmern kann. Unterbrochen von ein bisschen Hausarbeit vielleicht, aber sonst ruhe ich mich aus. Am Donnerstag bekommen wir zwar Besuch von meiner Schwägerin, das sehe ich aber nicht als Problem.

Sonst überdenke ich gerade meinen Alltag. Ich habe mir einfach immer zu viel auf einmal aufgehalst und dabei alle Warnzeichen ignoriert. Das hört jetzt auf. Ich muss noch ein „schlüssiges Konzept“ erarbeiten für den Alltag, und natürlich muss ich auch mit meiner Frau noch darüber sprechen, aber in den Grundzügen bin ich fest entschlossen. Ich habe auch schon einige Ideen.

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Aussichtslos

Mein Wohlbefinden liegt am Boden. Seit dem Wochenende bin ich mir inzwischen sicher, dass ich keine Kraft mehr habe.

Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, alles zu beschreiben, was zu dieser Situation beiträgt oder beigetragen hat. Seit mehreren Wochen, wenn nicht sogar Monaten, schon merke ich gewisse Anzeichen, dass ich eine Pause brauche. Ich glaube, ich habe davon schon mal geschrieben. Das deutlichste Zeichen – rückblickend – dass ich langsam mal die Bremse treten sollte, war, dass ich kaum noch einen Abend hatte, an dem ich nicht ein leichtes Zittern gespürt habe. Ein kaum merkbares Zittern, dass ich auch nur wahrgenommen habe, wenn ich mich mal hingesetzt oder -gelegt habe. Und natürlich jeden Abend vor dem Schlafengehen. Anfangs kam es nur dann und wann mal, zuletzt hatte ich es wirklich jeden Abend. Ich dachte mir schon, dass das nicht gut sein kann, habe mich aber nicht weiter drum gekümmert.

Nach und nach fing ich an, meinen Alltag zunehmend nicht mehr auf die Reihe zu kriegen. Meine Frau (sie ist übergewichtig) kann schon seit einer gewissen Weile nicht mehr so im Haushalt arbeiten wie sie gern würde, und ich habe halt versucht, das zu kompensieren, damit unser Haushalt nicht komplett den Bach runtergeht. Ich habe Wäsche gewaschen, Geschirr gespült, aufgeräumt, geputzt, eingekauft, gekocht, mir Gedanken über Speiseplan und Ähnliches gemacht und parallel dazu noch versucht, mir ein wenig Zeit abzuzwacken, irgendwo ein kleines Päuschen dazwischenzuquetschen. Dann waren da aber noch andere Aufgaben, denen ich mich dann während dieser Pause stellte. Es ist immer noch ein Buch für die Berufsschule zu lesen, über das ich noch ein Referat vorbereiten und halten muss. Gemeinsam mit zwei anderen Mitschülern ist auch noch ein Politikreferat zu halten. Dann kommen immer mal E-Mails ‘rein, die ich bearbeiten und/oder beantworten muss/will. Andere wichtige Besorgungen, wie z. B. Kleidung oder Haushaltsgegenstände, müssen gemacht werden.

Oft aber habe ich die Pause gleich ganz sein lassen und stattdessen versucht, den Haushalt unter Kontrolle zu bekommen. Der aber ist mir inzwischen so gut wie entglitten. Ich kriege zwar das Notwendigste hin (auch wenn das heißt, dass ich früher von der Arbeit nach Hause komme, um Dinge geregelt zu bekommen), zum Beispiel dass sich das Geschirr wenigstens nicht mehrere Wochen in der Küche stapelt, aber seit letztem Wochenende bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht einmal dafür mehr Kraft habe.

Ich habe die Warnzeichen, die mir mein Körper zeigte, zu lange ignoriert. Das ist die Quittung.

Aber nicht nur körperlich macht mir die Erschöpfung zu Schaffen. Seelisch geht es mir dadurch auch nicht gut. Die Depression kommt in häufigeren Schüben und wird wieder stärker. Ich merke, wie ich mir oft Vorwürfe mache, meine eigene mangelnde Leistungsfähigkeit kritisiere, aber auch schneller “ins Bockshorn gejagt” werde. Ich bin um ein Vielfaches empfindsamer, missinterpretiere verschiedene Regungen meines Umfelds schnell. Und ich werde zunehmend ängstlicher. Ich habe Angst, all die Dinge, die ich noch hinbekommen “muss”, nicht zu schaffen. Ich merke, wie ich in letzter Zeit häufig wie aus heiterem Himmel verkrampfe, zum Beispiel an meinem Schreibtisch im Büro. Auch bekomme ich Angstzustände. Ich bin in letzter Zeit kaum noch emotional stabil und komme leicht aus dem Gleichgewicht.

Dadurch streiten sich meine Frau und ich inzwischen auch wieder häufiger. Das nimmt sie natürlich auch deutlich mit. Unsere Streits sind noch dazu keine Streits im herkömmlichen Sinn, wo wir laut werden, uns Dinge an den Kopf werfen und irgendwann versöhnen. Unsere Streits sind die Folge meiner Überforderung. Ich bekomme Angst, höre auf zu reden und werde zittrig-nervös, das wieder bekommt meiner Frau nicht gut, sie fängt an zu blocken, ich bekomme noch mehr Angst… Eine Abwärtsspirale kommt in Gang. Ich versuche, mich zusammenzureißen und auf sie zuzugehen, sie in den Arm zu nehmen. Sie blockt, ich fange an, mir selbst Vorwürfe zu machen. Ab hier kann es sich stundenlang hinziehen, häufig fange ich an, mich selbst (sogar mit der Faust ins Gesicht) zu schlagen oder meinen Kopf gegen die Wand zu hauen. Ich werde vollkommen unzurechnungsfähig, kann mich nicht mehr kontrollieren, so sehr ich es auch versuche.

Und meiner Frau macht all das Angst. Riesige Angst.

Jedenfalls ist so etwas in der letzten Zeit wieder ein paar Mal vorgekommen, und noch viel öfter hatte ich die Befürchtung, dass so etwas passiert, weil ich mich wieder einmal nicht gut fühle (zuletzt gestern Abend).

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mein Leben nicht mehr geregelt kriege. Ich müsste anhalten, Verpflichtungen abgeben und mich mehr auf mich konzentrieren. Nur weiß ich nicht, wo ich Verpflichtungen abgeben soll, wem ich sie abgeben soll. Ich will auch niemanden überfordern. Aber ich komme mit dieser Last alleine nicht mehr zurecht.

Aber niemand kann mir helfen…

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Medikamente?

Ich habe gestern Abend zum ersten Mal während eines depressiven Nervenzusammenbruchs meine Mutter angerufen.

Für mich war dieser Anruf der allerletzte Ausweg. Meine Frau war nicht da und – so dachte ich zu dem Zeitpunkt – traute sich aus Angst vor Streit nicht nach Hause, und sonst habe ich keinen Menschen, dem ich mich anvertrauen würde. Der letzte Ausweg für mich war, meine Mutter anzurufen – die hunderte Kilometer entfernt wohnt.

Die allermeiste Zeit des Gesprächs allein mit meiner Mutter habe ich geweint. Die Tränen liefen nur so, und nach zögerlichem Anfang habe ich mehr und mehr mein Herz ausgeschüttet. Ich habe versucht zu erklären, wie ich mich fühle, und was in meinem Kopf los ist.

Aber versucht mal, etwas, das ihr selbst nicht versteht, jemand anderem zu erklären.

Das Gespräch, das Herzausschütten, das Sagen, was in mir los ist, das alles hat mir immens geholfen. Es war, als würde ein unglaublicher Druck von mir genommen. Ich habe das erste Mal das Gefühl gehabt, dass meine Mutter mich versteht. Dieses Gefühl hatte ich noch nie.

Während ich mein Leid klagte, kamen wir auch auf ein anderes Thema: Antidepressiva.

Meine Mutter hat inzwischen einige Erfahrung damit, weil mein Vater seit ein paar Monaten welche nimmt. Durch permanente Rücken- und Hüftschmerzen und andere Sorgen ist er in eine Depression gerutscht, die er jetzt mit leichten Antidepressiva behandeln lässt. Meine Mutter hat gewusst, dass all das Kopf- und Gefühlschaos, das ich ihr schilderte, von der Depression ausgehen. Sie hat mir ans Herz gelegt, doch einmal über Medikamente nachzudenken.

Seitdem kreisen in meinem Kopf immer mal wieder Gedanken daran, ob das vielleicht eine sinnvolle Herangehensweise wäre. Ohne Zweifel gibt es Medikamente, die mir helfen würden, ausgeglichener zu werden. Aber sollte ich nicht erst andere Dinge versuchen?

Ich muss zugeben, dass meine Lebensführung nicht optimal ist:

  • Ich schlafe zuwenig. Ich gehe zu spät ins Bett und muss wieder früh aufstehen.
  • Sport treibe ich keinen, dabei ist Sport quasi ein natürliches Antidepressivum und wird Depressionspatienten immer empfohlen.
  • Ich grenze noch nicht genug ab in meinen eigenen Augen, anderen gegenüber. Ich mache immer noch sehr viel für andere und sehr wenig für mich selbst.

Als ich gestern noch kurz mit meiner Frau über dieses Thema sprach, meinte sie, ich solle doch erst einmal andere Dinge in Angriff nehmen, bevor ich mich zu so einem Schritt entschließe. Denn Antidepressiva wirken sich auch auf den Hirnstoffwechsel aus (sonst würden sie ja keine Wirkung erzielen), und es besteht die entfernte Möglichkeit, dass ich für immer Tabletten gegen die Depression nehmen muss.

Für mich stellt sich jetzt die Frage, ob ich in Erwägung ziehen soll, Medikamente zu nehmen, um meine Stimmung zu stabilisieren. Ich leide wirklich unter den Depressionen, vor Allem unter dem Kopfchaos und unter dem verminderten bis nicht existenten Antrieb…

Habt ihr irgendwelche Erfahrungen damit?

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